Hermann Hesse: Narziss und Goldmund

2008/09/28 § Leave a comment


Ich habe heute Hermann Hesses Buch Narziss und Goldmund zuende gelesen. Es eignet sich hervorragend als Reisebegleitung, denn es handelt von Goldmund, der sich nach einer Kindheit im Kloster auf Reisen begibt. Wie so oft (oder immer?) handelt auch dieses Buch Hesses von Individuen, die einen nicht ganz gewöhnlichen Lebensweg beschreiten, und vor allem, von der Frage was es mit dem Leben überhaupt auf sich hat.

Auch diesmal freilich gibt Hesse keine Antwort auf diese Frage, die die Weisen seit Jahrtausenden umtreibt. Aber wie immer stellt er die wichtigen Fragen und führt den Leser unweigerlich auf einen bereichernden Denkprozess. Er begleitet diesen Prozess mit der unterhaltsamen Geschichte des Narziss und Goldmund, der zwei Hauptpersonen der Erzählung.

Ich finde Hesses Werke eignen sich immer als Lektüre, wenn man die Zeit zum Nachsinnen hat. Narziss und Goldmund merkt man an, dass Hesse es später in seinem Leben geschrieben hat, denn es behandelt immer wieder das Thema Alter und das Altern anhand der Verschiedenen Personen, die Hesse auftauchen lässt, um dieses Thema von den unterschiedlichsten Perspektiven zu beleuchten.

Wie alles von Hesse ist auch dieses Buch sehr empfehlenswert, sicher sogar ist es eines seiner besten Werke.

Meine Lieblingszitate:

“Ein Vagabund kann zart oder roh sein, kunstfertig oder tölpisch, tapfer oder ängstlich, immer aber ist er im Herzen ein Kind, immer lebt er am ersten Tage, vor dem Anfang aller Weltgeschichte, immer wird sein Leben von wenigen einfachen Trieben und Nöten geleitet. […] immer ist er der Todfeind des Besitzenden und Sesshaften, der ihn hasst, verachtet und fürchtet, denn er will nicht an all das erinnert werden: nicht an die Flüchtigkeit alles Seins, an das beständige Hinwelken alles Lebens. An den unerbittlichen eisigen Tod, der rund um uns das Weltall erfüllt.”

“Es war ja schmälich, wie man vom Leben genarrt wurde, es war zum Lachen und zum Weinen! Entweder lebte man, liess seine Sinne spielen, sog sich voll an der Brust der alten Eva-Mutter – dann gab es zwar manche hohe Lust, aber keinen Schutz gegen die Vergänglichkeit; man war dann wie ein Pilz im Walde, der heut in schönen Farben strotzt und morgen verfault ist. Oder man setzte sich zur Wehr, man sperrte sich in eine Werkstatt ein und suchte dem flüchtigen Leben ein Denkmal zu bauen – dann musste man auf das Leben verzichten, dann war man bloss noch Werkzeug, dann stand man zwar im Dienst des Unvergänglichen, aber man dorrte dabei ein und verlor die Freiheit, Fülle und Lust des Lebens.”

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